Nur Form, keine Tiefe
Viele lernen die äußere Form, aber nicht die inneren Prinzipien dahinter.
Was innere Kraft bedeutet – im Alltag und in der Kampfkunst Tai Chi. Und warum Entspannung stärker ist als Muskelkraft.
»Innere Kraft« ist ein Begriff mit vielen Facetten. Er beschreibt unsere Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen, authentisch zu sein und aus uns selbst heraus Energie zu schöpfen – ohne äußere Anstrengung, ohne Kampf.

Im täglichen Leben zeigt sich innere Kraft auf vielfältige Weise:

Im Tai Chi als Kampfkunst bezeichnet innere Kraft eine reale Kraft, die es ermöglicht, einen Angreifer auf Distanz zu halten und ihn zu entwurzeln – ohne ihn zu verletzen. Diese Fähigkeit hat Tai Chi im 19. Jahrhundert in China berühmt gemacht. Ihre Meister konnten einen Angreifer von sich abprallen lassen.
Nicht Muskelkraft (“Li”) wird trainiert, sondern Entspannung und “Sinken” (“Song”) ermöglichen es, das Kräftespiel der Faszienlinien des Körpers zu entwickeln und einzusetzen. Der Körper wird elastisch wie ein Ball – locker, aber verwurzelt. Nach einiger Übung wird er fähig zu sehr schnellen Bewegungen, die von der Vorstellungskraft “Yi” (intentionaler Geist) geführt werden.

Grundlegendes Prinzip
Was vielen fehlt, ist die aktive Harmonisierung dieser Gegensätze in einer Aktivität. In der chinesischen Kultur wird das durch den Begriff “Wu Wei” bezeichnet – das Nichtun-im-Tun oder das »anstrengungslose Handeln.

Die Polarität von Tun und Sein zeigt sich auch in unserem Verhältnis zum Körper: Wir “haben” einen Körper (als Instrument) und wir “sind” ein Körper (als lebendiges Wesen). Tai Chi bringt beides zusammen – das Machen und das Geschehenlassen, das Steuern und das Fließen.
Millionen Menschen üben heute Tai Chi – mit guten Ergebnissen für Entspannung und Gesundheit. Aber nur wenige entwickeln dabei die innere Kraft, die das Tai Chi einst berühmt gemacht hat. Die Gründe:
Innere Kraft entwickelt sich nicht über Nacht. Sie erfordert:
Erst die richtige Ausrichtung ermöglicht den Zugang zur Kraft.
Die äußere Bewegung als Gefäß für die innere Arbeit.
Die Vertiefungsstufen, die das Innere erschließen.
Mit Geduld und Ausdauer – ohne Anstrengung, aber mit Beständigkeit.
Der erste Schritt: Finde heraus, welcher Atemtyp Du bist.